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- Trommeln, Rhythmus, Lebensfreude -

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- über Trommeln im speziellen und über die Welt im Allgemeinen -

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aus dem Rabensang-Rundbrief Januar 2018

Das, was ich als ganz besonders wichtig erachte und von dem ich jetzt sprechen möchte, ist, den eigenen Weg weiter zu gehen und nicht stehen zu bleiben. Denn jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Da es aber keinen Weg für alle gibt, dennoch aber einen Weg für jeden, so kann auch niemand anderer, als man selbst, wissen was diesen Weg ausmacht. Ein jeder muss sich immer wieder entscheiden, wohin sein Weg ihn bringen soll. Es mag sogar sein, dass wir gelegentlich zurückgehen müssen, wenn wir erkennen, dass wir uns auf einem Weg befinden der nicht weiterführt. Entscheidend ist aber, dass jeder geht.
Bevor ich dies Gesagte aber gewissermaßen durch einen Kontrapunkt noch unterstreiche, nämlich dass kein Mensch nur für sich alleine ist und immer andere Menschen braucht, um seinen Weg gehen zu können, möchte ich noch auf Gewohnheit zu sprechen kommen.

Wir alle brauchen Gewohnheiten. Sie sind quasi die Pfade, die wir immer wieder beschreiten, um uns dort zu bewegen, wo wir wohnen. Wir wohnen dort, um uns immer wieder auszuruhen vom Gehen und auch, um von dort aus wieder losgehen zu können. Dennoch haben wir uns immer wieder zu fragen, ob wir die gewohnten Pfade noch verlassen und Wege suchen hinein in das uns noch Unbekannte. Genau das aber ist es, was unser Leben erfüllt, was uns am Leben erhält, - zu wagen ins Unbekannte und Ungewisse zu gehen. Bewegen wir uns nur noch auf den gewohnten Pfaden, fallen wir in Erstarrung.
Hinein in eine unbekannte, gerade deshalb aber offene und freie Zukunft zu gehen, das ist das Leben. Niemand, weder Menschen noch Götter können das Leben und die Zukunft sicher vorhersagen oder gar festlegen, sie bleiben immer offen. Doch muss ein jedes Wesen es stets aufs Neue wagen zu leben.

Auch wenn die Aussage: 'der Weg ist das Ziel' so erbärmlich mißbraucht wurde, bleibt sie dennoch richtig. Den Weg, den jeder für sich beschreitet, das ist sein eigenes Leben. Den Tod als Ziel anzunehmen, ist sicher gewagt; trotzdem dieser ja als einzige Gewissheit über unserem Leben thront und vordergründig das Leben beendet. Ob wir nun aber an dieser Tatsache verzweifeln und nicht mehr weiter gehen, oder ob wir dessen ungeachtet furchtlos hindurchgehen, das macht einen fundamentalen Unterschied.
Es geht niemand stets nur alleine durch das Leben. Am Anfang werden wir getragen, solange, bis wir uns auf den eigenen Beinen fortbewegen können. Auch brauchen wir zunächst Vorbilder; später dann eher Gegenüber, um uns auseinander zu setzen; manchmal vielleicht auch Ratgeber. Können wir gemeinsam mit anderen ein schönes Stück des Weges gehen, so beflügelt uns das meist und wir gehen leicht und fröhlich. Mancher Gang fällt uns aber schwer und wir sind froh, wenn wir ihn nicht alleine gehen müssen. Denn obwohl ein jeder stets selber gehen muss, sind wir nicht nur auf einsamen Pfaden unterwegs, sondern dürfen darauf zählen, manchen Weg gemeinsam gehen zu können. Wir Menschen werden im Grunde ja erst zu solchen, durch die Gegenwart anderer.
Sind es aber zu viele, die den gleichen Weg zu beschreiten trachten, so hört dieser auf unser eigener sein zu können. Sind all die Erfahrungen, die wir auf unserem Weg machen können sozusagen aus zweiter oder dritter Hand, so sehen wir uns betrogen. Ein einzelner Mensch gar inmitten einer Masse, hört auf ein solcher zu sein.

Gehen also, ganz konkret Schritt für Schritt auf den den eigenen Füßen, ist grundlegend für unsere geistig-seelische Entwicklung. Was wir vor allem zum Gehen brauchen, ist neben funktionierden Füßen und eigentlich noch wichtiger, das rhythmische Bewegungsmuster in unserem Gehirn. Dies ist nicht etwa: eins, zwei, eins, zwei. Wir gehen mit vier Schritten. Selbige vier Schritte sind eben auch Basis fast aller Musik; für Trommler und Tänzer sowieso.
Gerade das ist in letzter Zeit immer mehr in meinen Focus gerückt: Die Essenz, solche Grundlagen heraus zu arbeiten. Was wir tun, wenn wir Rhythmus und Musik schaffen, ist immer auch Menschen beim Gehen zu unterstützen. Wir haben gelernt, dies immer kunstvoller zu tun, gerade weil es uns in unserer Entwicklung gelungen ist, das Bewegungsmuster der vier Beine zu behalten, trotzdem wir nur zwei Gliedmaßen zum Gehen brauchen und somit die anderen beiden frei zu haben. Dies hat uns so viele neue und ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, dass ich behaupten möchte, dass dieses einen wesentlichen Aspekt der Menschwerdung darstellt. Auch für die Entwicklung unseres Gehirns, der Sprache wie des Denkens war dieses Bewegungsmuster und der daraus resultieren neuen Möglichkeiten mit Sicherheit ein nicht unwesentlicher Faktor.
Für diese, unsere Entwicklung zum Menschen ist auch durchaus wesentlich gewesen, die Vielfalt rhythmischer Gestaltungsweisen nutzbar zu haben, die uns die freien Hände ermöglichten. Dazu kommt noch die Stimme, die wir ebenso miteinbeziehen konnten; dies alles sehr variabel und ohne die Grundlage der Schritte verlassen zu müssen. Für mich stellt es sich, vielleicht ein wenig überschwänglich, so ähnlich dar, als wenn dadurch sich ein neuer Erdteil eröffnet, der besiedelt werden konnte.

Aber obwohl wir als Trommler und Tänzer, als Musiker nicht so vermessen sind, zu behaupten, das alles erfunden zu haben, oder gar ein Urheberrecht darauf zu beanspruchen, so sind wir dennoch diejenigen, die sich weiterhin damit beschäftigen, es entwickeln und  die gewonnenen Erfahrungen weitertragen. Wir betreiben somit auch grundlegende Wissenschaft, die aber eben nicht nur verstandesmäßig erfassbar ist, sondern vor allem über die Gefühle und deren Bewegungen wirkt. Das aber ermöglicht vielen Menschen einen Zugang, deren Sache der geschliffene Gebrauch des Verstandes eher nicht ist. Und ohne irgendwie geartete Überheblichkeit darf ich darauf verweisen, dass es dabei in keinster Weise um Abgrenzung und Bewertung geht, sondern darum, Verbundenheit herzustellen. Diese ist eine unserer vornehmsten Aufgaben als Musiker.

Es ergeben sich aber heutzutage in der Situation, in der wir uns als Kunstschaffende befinden, noch viele weitere Fragestellungen. Als ein Beispiel dafür, möchte ich auf folgendes hinweisen. Ein wesentliches Problem ist die der Größenordnung des Kreises von Menschen, den wir mit unserer Kunst erreichen können und wollen. Zu diesem Zeitpunkt (von einen Zeitalter will ich nicht sprechen), an dem die Massenmedien die gesamte Kommunikation für sich beanspruchen und danach trachten, diese einzunehmen, ist die Versuchung natürlich groß, um des eigenen Erfolges willen, diese Möglichkeiten zu nutzen. Doch wir müssen uns fragen, welchen Erfolg wir damit erreichen. Was können wir den Menschen damit geben oder erreichen wir lediglich mehr Glanz für unsere eigene Person?
Betrachtet man das Wirken der Medien, so kann man ja eigentlich nicht anders, als zu sagen, dass diese vor allem ständig die Aufmerksamkeit der Menschen von sich selber ablenken, sie sozusagen davon abhalten, den eigenen Weg zu gehen. Die Aufmerksamkeit wird zu weit entfernten Dingen hingelenkt, die Wahrnehmung davon regelrecht gefangen genommen und von einem selber weg, auf Dinge hin gerichtet, die mit einem selber eigentlich doch gar nichts zu tun haben. Und das geschieht nicht nur mit Einzelnen, sondern wirklich in der großen Masse. Weil das in der Regel von den Machern noch nicht mal in sonderlich böser Absicht geschieht, sondern diese es, berauscht von der technischen Machbarkeit, gepaart meist mit völlig übersteigerter Einschätzung der Wichtigkeit, sowohl des Inhalts als auch der eigenen Person, hauptsächlich des Profites wegen tun, so ist das alles milde gesagt, sehr fragwürdig.

Als Trommler, der sich mit westafrikanischer Musik beschäftigt, habe ich ein leuchtendes Gegenbeispiel vor Augen. Die musikalische Praxis ist dort in weiten Teilen davon geprägt, dass sie begrenzt auf einen, meist nicht überaus großen Kreis der Hörbarkeit stattfindet. Somit ist sie frei von jeder Manipulation ganzheitlich sinnlich wahrnehmbar. Die dabei Anwesenden sind, in verschiedenen Aufgaben zwar, immer ausnahmslos beteiligt. Es gibt keine Trennung von Ausführenden und Publikum. Die Musik spiegelt stets durch den besonderen Anlass, zu dem sie veranstaltet wird, ein soziales Geschehen wider, bei dem, vergleichsweise vielen einzelnen Menschen die Möglichkeit geboten wird, sich unter der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung der Anwesenden, auszudrücken und darzustellen.
Ich habe diese Dinge zusammen mit den ganzen Rhythmen, Tänzen und Liedern als dazugehörig gelernt, sozusagen als Begleitmusik dazu. Meist sind solche Anlässe für die jeweils im Mittelpunkt stehenden Menschen so etwas wie Wegmarken auf ihren Lebensweg und sollen den Menschen dabei unterstützen, weiter zu gehen.
Ich kann all solche Erfahrungen und Erkenntnisse nicht einfach ignorieren und mich lediglich auf die, zweifellos interessante, musikalische Formgebung konzentrieren. All das soziale Geschehen ist so wesentlich in dieser Musik, die ich mir ja schon lange zu eigen gemacht habe, so dass ich immer nachdrücklich darauf hinweisen will. Dabei ist klar, dass wir die afrikanischen Formen der, ich sag jetzt mal vereinfachend Musikgestaltung, mit all den angeführten Aspekten nicht einfach nur übernehmen können. Aber sich davon anregen zu lassen, über die eigene Gestaltung nachzudenken, ist doch das Mindeste.

Ich kann auch nicht einfach hinnehmen, unsere Wahrnehmung immer mehr eingenommen zu sehen, von nicht die Menschen unterstützenden Belanglosigkeiten und von eitlen Selbstdarstellungpossen, irgendwie an die Macht gekommener Größenwahnsinnigen. Denn als solches sehe ich die von mir bildhaft genommenen Mauern des baylonischen Turms, in dem wir mehr und mehr eingesperrt werden - unsere hingelenkte, eingefangene Wahrnehmung. Und das schlimmste daran ist, dass wir es selber sind, die dieses tun oder es zumindest zulassen.
Doch diese Mauern sind zu durchbrechen, indem wir unsere Wahrnehmung dorthin richten, wo sie hingehört - zu uns selber und unseren Mitmenschen um uns, indem wir unbeeindruckt dessen, unsere eigenen Wege gehen.

Rabensang-Rundbrief Sommer 2018

in diesen Zeiten, in denen uns die, sich bereits nahe an der aus ihrer Sicht alternativlosen Allmacht dünkende Bürokratie einen weiteren Kniefall abverlangt, nun auch von mir der Hinweis, dass jeder über die bei mir über ihn, über sie gespeicherten Daten Auskunft erhalten und gegebenenfalls eine Löschung verlangen kann. Ich darf auch versichern, dass derlei Daten von mir ohnehin nicht an Dritte weitergegeben bzw. gar verkauft werden. Und wenn jemand z.B. diesen Rundbrief nicht mehr erhalten möchte, kann jede(r) mir gegenüber dies kundtun und so wird dies dann auch geschehen. Das war sowieso nie anderes.
Ich sehe z.B. solche Adressdaten natürlich nicht als Ware. Sie bezeichnen in bestimmter Weise Beziehungen, die durchaus auch in kritischer Distanz sein können, aber es sind Beziehungen von Mensch zu Mensch und diese beschreiben ein Interesse eben von Menschen aneinander. Dass derlei Daten über Menschen zunehmend Nahrung werden für Maschinen, um das mal in einer nur ganz wenig verfremdenden Weise darzustellen, sollte uns sehr zu denken geben; zumal man diese neue Verordnung durchaus als Versuch empfinden kann, genau davon abzulenken. Und zu glauben, dass uns ausgerechnet eine abgehobene und aufgeblasene Euro-Bürokratie uns davor zu schützen vermag, von solchen Maschinen letztendlich 'gefressen' zu werden, ist im Grunde einfach nur lächerlich. Es ist wohl eher als Eifersucht zu bezeichnen, sofern diese Bürokratie zu solchen im Grunde noch menschlichen Regungen überhaupt fähig erscheint, da es doch die 'Wirtschaft' wesentlich effektiver schafft, Daten zu erheben und Kontrolle auszuüben.
Ist diese Zukunft, die uns da von jenen, ich sage mal, machttrunkenen Technikgläubigen und größenwahnsinnigen Machbarkeitsfantasten angepriesen wird und in die sie uns förmlich treiben wollen, ist das die Zukunft, die wir wollen? Ich will diese nicht und ich denke, ich bin auch nicht der Einzige. Dennoch brauchen wir uns auch bezüglich der Abhängigkeiten nichts vormachen, in der derzeitigen Situation, in der wir alle bereits verstrickt sind, können wir nicht erwarten, dass wir z.B. derlei Maschinen von diesem Moment an gar nicht mehr zu benutzen brauchen; aber wir müssen stets aufpassen, ihnen nicht in die Hände zu fallen. Sie 'lauern' vor allem dann darauf und stehen sofort parat, wenn der einzelne Mensch gerade schwach ist. Und wer möchte von sich behaupten, nicht auch seine schwachen Momente zu haben; ganz abgesehen mal von den Kindern z.B.., die ohnehin eines besonderen Schutzes bedürfen.
Doch es läßt sich nicht oft genug betonen, dass es einzig unser Glaube an solche Dinge ist, der derartiges schafft und am Leben erhält. Insofern sind es auch niemals nur einzelne Eliten, die das in ihrem Machtwahn betreiben, sondern es ist immer der Glaube der Vielen, der derlei nährt.
Was wäre das für ein erbärmliches Leben, wenn ich solche Vorstellungen der Anschaulichkeit wegen mal weiterspinnen darf, von den Maschinen 'gefüttert'; natürlich nur mit speziell optimierter Nahrung versorgt; ständig überwacht in all unseren Lebensfunktionen; körperlich fittgemacht durch umfassende, von Maschinen ausgeklügelte Trainingsprogrammen; bei Laune gehalten von Konversationsrobotern; mittels selbstfahrender Verkehrsmittel zu Zielen gebracht, die wir im Internet von Maschinen vorgeschlagen bekommen; nach dem Motto: andere User haben dieses am häufigsten gewählt. Geht's noch?
Wir sind als Menschen aber noch nicht völlig verloren in diesem Irrsinn der totalen Kontrolle und es liegt immer aufs Neue an uns, wie wir uns zu all diesen Verlockungen und Verführungen verhalten. Ich zitiere bestimmt nicht oft in Latein, aber in diesem Fall möchte ich das 'Quo vadis?' ganz eindrücklich verwenden. Wohin gehst du? Diese Frage stellt sich jedem Menschen immer und immer wieder. Ergänzend dazu gesellt sich für uns noch die Frage: mit wem gehst du? Wohin gehen wir?
Dieser merkwürdige Ort in der Zukunft aber, auf den diese Frage zielt und auf den jede und jeder, auf den wir uns wohl zubewegen, vor allem auch über unseren eigenen Tod hinaus, ist das ein wie auch immer geartetes Paradies? So schön uns dieses auch erscheinen möge, es würde aber all dem widersprechen, was ich als Lebensgesetzmäßigkeit erfahren habe. Das Leben fordert all seine Geschöpfe stets heraus, läßt sie in der Auseinandersetzung mit all den andern entstehen und wachsen, läßt sie Kräfte gewinnen, um diese schließlich dann darin zu verzehren; läßt sie vergehen, um dann von Neuem zu beginnen. Das Leben erfährt sich auch selber durch seine Geschöpfe, nimmt sich durch sich selber wahr. So hat es sich entwickelt und so entwickelt es sich weiter; es lebt.
Dieser imaginäre Ort aber, zu dem wir streben, den wir als Ziel angeben, den wir wählen, um darauf zuzugehen, er gibt uns eine Richtung. Dies ist die Freiheit, die wir als Menschen haben, unsere eigene Richtung zu wählen. Der Versuch, umfassende Kontrolle zu erlangen kann nicht gelingen; im gewissen Sinne ist dies das Gegenteil von 'leben'. Natürlich müssen wir einiges unserer Angelegenheiten, z.B. was unser Zusammenleben betrifft verbindlich regeln, doch gewiss nicht in dieser Größenordnung von Organisation und von keiner Zentralmacht gesteuert und überwacht.
Das, was ich selber nun bereits ein ganzes und mittlerweile auch halbwegs langes Leben tue, ist Fähigkeiten zu erarbeiten und Wahrnehmung zu erweitern. Zum einem natürlich immer für mich selber, zum anderen auch, um das Erreichte durch meine Tätigkeit als Musiker, Trommler und Trommelhrer, genauso wie als Trommelbauer und Handwerker an andere Menschen weiterzugeben. Das ist gelegentlich recht mühsam, dennoch unerläßlich, weil dieses in meinem Fall letztlich das ausmacht, was mich zum Menschen macht; zudem, was ich dereinst gewesen sein werde.
All das, was wir aufbauend auf dem bereits vorgefundenen und von den Vorfahren ererbten Fähigkeiten und Erkenntnissen für uns erarbeiten, und ich rede dabei nicht von materiellen Gütern, das was wir für uns selber schaffen, es macht uns zu einzigartigen Wesen. Gerade aber auch unsere immerwährende Unvollkommenheit, unsere Vergänglichkeit, unser bisweilen vergebliches Streben, ja selbst unser letztliches Scheitern, das macht uns wesentlich zu Menschen. Und das, was wir als Menschen vor allem anderen wollen, ist unter unseresgleichen zu leben und letztlich dann zu sterben. Das wage ich zu behaupten. Leben bedeutet stets auch Neues, Unbekanntes zu wagen und immer auch das Scheitern in Kauf zu nehmen; etwas was Maschinen einfach nicht können und auch nicht können werden.
Ich rede seit längerem davon, dass ich das Gehen als besonders wichtig erachte. Auch den Zusammenhang zwischen Rhythmus, Takt und der Fähigkeit zu gehen betonte ich ja bereits. Nichts desto trotz kann ich nur immer wieder nachdrücklich darauf hinweisen, dass die Fähigkeit sich mittels getaner Schritte, gerade auch im Alltag, fortzubewegen im engen Zusammenhang damit steht, wie es einem geht. Das Befinden beinhaltet eben Finden; und um zu finden, muss man sich fortbewegen von dem bereits Gefundenen; um neues, weiteres zu finden. Das heißt aber nicht, sich sehr 'effektiv' möglichst weit weg bewegen zu müssen, um möglichst viel Neues zu finden; oft bedarf es nur relativ weniger Schritte, um zu einer anderen Wahrnehmung zu kommen und das Befinden zu verbessern. Beim Gehen ist die Wahrnehmung für uns Menschen recht optimal möglich; ein Gewinn, den wir wiederum aus dem aufrechten Gang ziehen konnten. Beim Autofahren z.B. befinden wir uns in einem relativ eng umgrenzten Raum und die Wahrnehmung ist notwendigerweise auf das Fahren konzentriert. Entsprechend ist in der Folge auch unser Befinden, beengt. Dies, wie gesagt, nur als ein Beispiel.
Gehen ist eine zentrale Fähigkeit, die wir im Laufe der Auseinandersetzung mit all den anderen, im Laufe der Evolution entwickelt haben. Die gern und häufig genutzte Frage: "Wie geht es dir?" , sie verweist ziemlich eindeutig darauf. Wir gehen auch unsere Wege, befinden uns auf dem Lebensweg und sammeln so unsere Erfahrungen. Dass Menschen dies immer wieder tun können und in gewisser Hinsicht müssen, nämlich eigene Erfahrungen zu machen, durch ein eigenes Leben zu gehen, ist ein Lebensrecht. Das lassen wir uns nicht nehmen.
Rhythmus und Musik unterstützten uns dabei besonders, weil sie Menschen ganzheitlich darauf hin ausrichten und helfen, eben den Weg durchs Leben zu gehen. Dies ist insofern heilend, als es dem Menschen fördert,  eigene Kräfte zu entwickeln, aus eigener Kraft gehen zu können. Es bedarf aber eben immer in erster Linie der eigenen Anstrengung, um Heilung zu erreichen.
Das ist das Gegenteil dessen, Heil von 'höheren Mächten' quasi zugeteilt zu bekommen, ganz gleich wer oder was diese 'höheren Mächte' sind; das gilt für dieses jetzt dominierende Gesellschaftsmodell, das das Heil durch Konsum verspricht, genauso wie für politische, esoterische oder religiöse Modelle, die Heil zu spenden versprechen, dafür aber meist Unterwerfung unter ihr System, oder wie sie es vermutlich ausdrücken würden, 'sich in den Dienst der einzig richtigen und guten Sache zu stellen' erwarten.
Nun ist sich mit Trommeln und Rhythmus zu beschäftigen bestimmt nicht die einzige Möglichkeit, an sich selber zu arbeiten. Es bringt aber neben der nötigen Anstrengung auch noch Spaß und Freude mit sich und vor allem eine gute Verbindung mit anderen Menschen. Entscheidend ist das eigene Engagement und die Bereitschaft, sich selber so anzunehmen, wie Mensch eben gerade ist; in der Regel am Anfang unbeholfen. Dennoch, Mensch hat sich auf den Weg gemacht und das ist einzig bedeutsam. Es braucht trotzdem in der Folge auch einer regelmäßigen Übung und Weiterführung, um diese Fähigkeiten zunächst zu entwickeln und dann zu erhalten, doch greift dann mit der Zeit meist die Freude an der eigenen Fortentwicklung und trägt hinweg über die Mühen, die durchaus auch damit verbunden sind.
 Nun möchte ich noch einen anderen Aspekt behandeln. Ich habe mich lange Zeit sehr intensiv mit westafrikanischer Musik, insbesondere mit der der Malinke beschäftigt. Entsprechend werde ich nun damit in Verbindung gebracht. Das ist einerseits klar, da ich mich ja auch vielfach in dieser Weise dargestellt habe. Das birgt nun aber auch die Gefahr, darauf reduziert wahrgenommen zu werden. Ich selber empfinde mich aber als weit mehr, als nur Malinketrommler, bzw. -lehrer, obwohl ich von dieser Tätigkeit und den dadurch gewonnenen Erfahrungen überhaupt nichts zurückzunehmen habe. Ich sehe mein Wirken aber als weit darüber hinausreichend; eben gerade in dem Sinne, wie ich es vorher beschrieben habe.
Was ich ebenso besonders betonen möchte, ist, dass es sich bei der Malinkemusik zunächst augenscheinlich aus einer fremden Kultur entstammende Musik handelt; in diesem Augenblick aber, in dem wir sie spielen, machen wir sie uns zu eigen. Von dem Moment an, da wir sie spielen, wird sie zu unserer eigenen Erfahrung; egal woher diese Form ursprünglich entstammt und all diese, womöglich noch national gefärbten Etiketten sind nichtig. Denn es zeigt sich noch ein weiterer wichtiger Punkt: Musik hören ist eine Sache, die durchaus gut zu bewerten ist; Musik selber machen ist nochmal eine ganz andere Sache, die noch viel weiter wirkt und die uns in besonderer Weise wachsen läßt.
Das gilt für alle Menschen, egal welcher Kultur sie entstammen oder welche Hautfarbe sie tragen. Musik kann Menschen zu Gemeinschaften verbinden, ohne andere auszugrenzen. Gerade in diesen Zeiten, in denen nationale Gedanken zunehmend an Macht gewinnen ist es besonders wichtig, sich vor Augen zu führen, dass wir zuallererst Menschen sind. Nehmen wir andere Menschen nur über Nationalität, Rasse oder Hautfarbe wahr und stellen wir dies über die Tatsache ihres Mensch-Seins, so verneinen und verlieren wir auch für uns selber letztlich das Mensch-Sein. Unser wichtigstes Identitätsmerkmal ist und bleibt Mensch, alle anderen sind nachrangig.
In der Malinkemusik, aber nicht nur in ihr, ist eine wichtige Begebenheit, dass sie immer möglichst alle Anwesenden aktiv einbinden will; d.h. sie sucht zu erreichen, dass alle in irgendeiner Form selber die Musik machen und nicht einfach nur Zuhörer sind. (Zuhörer ist Mensch ja sowieso auch immer noch, gerade und besonders wenn Mensch aktiv mitwirkt) Einbindung ohne Ausgrenzung und ohne irgendwie etwas der eigenen Identität zu verlieren, statt dessen aufbauend für alle Beteiligten, dies erstreben wir, dies mögen wir erreichen und dadurch wird es möglich.
Darf ich noch ein paar Worte zu mir anfügen? Mein Leben verändert sich; was es ja immer tut, so wie bei jedem auch; aber bei mir inzwischen in der Weise, dass ich aufgrund des Alters nun so manches allmählich lasse.
Meine 'geschäftlichen' Aktivitäten werden weniger, nicht aber die daraus resultierende Erfahrung, die mehrt sich beständig. Ich sehe es nun zunehmend als geboten an, all meine Errungenschaften weiterzugeben. Als Trommellehrer habe ich das dem entsprechend ohnehin stets versucht, nun wird das 'Lassen' noch umfassender. Auch habe ich in der Umsetzung neue Wege eingeschlagen, die nun erst mal von anderen wahrgenommen werden müssen, was aber eine geduldige Darstellung erfordert. (Aus diesem Grund verfasse ich ja auch so ausführliche Rundbriefe)
Das bringt aber durchaus mit sich, dass es, was mein Einkommen betrifft, schwieriger wird. Nun schreckt mich das nicht übermäßig und die Armut sehe ich eher als Tugend, weil sie auch sehr befreiend ist, aber dennoch brauch ich auch noch ein wenig Einkommen. Um das zu erzielen, biete ich ja nach wie vor Waren und Dienstleistungen an. Dass es immer schwieriger wird, mit eigenen Angeboten zu bestehen, muß ich nicht groß ausführen. Mir ist auch klar, dass meine Aussendarstellung gelegentlich, sagen wir mal, ausbaufähig ist. Dennoch wage ich mal zu sagen, mich gibt es noch und ich habe immer noch was zu bieten. Nun will ich andererseits aber nicht, dass jemand aus Mitleid zu mir kommt. Die Qualität meiner Angebote zu bewerten ist aber auch nicht meine Sache, das sollen andere tun. Doch wie gesagt, meine Erfahrung nimmt zu, und von daher denke ich, dass das nicht das Schlechteste ist, was ich anzubieten habe. Also bitte ich euch um eine, vor allem für euch selber wohlwollende Beachtung der nun nachfolgenden Angebote
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Hans ‘Rabe’ Freundshuber

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