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- Trommeln, Rhythmus, Lebensfreude -

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- über Trommeln im speziellen und über die Welt im Allgemeinen -

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aus dem Rabensang-Rundbrief Januar 2018

Das, was ich als ganz besonders wichtig erachte und von dem ich jetzt sprechen möchte, ist, den eigenen Weg weiter zu gehen und nicht stehen zu bleiben. Denn jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Weg zu gehen. Da es aber keinen Weg für alle gibt, dennoch aber einen Weg für jeden, so kann auch niemand anderer, als man selbst, wissen was diesen Weg ausmacht. Ein jeder muss sich immer wieder entscheiden, wohin sein Weg ihn bringen soll. Es mag sogar sein, dass wir gelegentlich zurückgehen müssen, wenn wir erkennen, dass wir uns auf einem Weg befinden der nicht weiterführt. Entscheidend ist aber, dass jeder geht.
Bevor ich dies Gesagte aber gewissermaßen durch einen Kontrapunkt noch unterstreiche, nämlich dass kein Mensch nur für sich alleine ist und immer andere Menschen braucht, um seinen Weg gehen zu können, möchte ich noch auf Gewohnheit zu sprechen kommen.

Wir alle brauchen Gewohnheiten. Sie sind quasi die Pfade, die wir immer wieder beschreiten, um uns dort zu bewegen, wo wir wohnen. Wir wohnen dort, um uns immer wieder auszuruhen vom Gehen und auch, um von dort aus wieder losgehen zu können. Dennoch haben wir uns immer wieder zu fragen, ob wir die gewohnten Pfade noch verlassen und Wege suchen hinein in das uns noch Unbekannte. Genau das aber ist es, was unser Leben erfüllt, was uns am Leben erhält, - zu wagen ins Unbekannte und Ungewisse zu gehen. Bewegen wir uns nur noch auf den gewohnten Pfaden, fallen wir in Erstarrung.
Hinein in eine unbekannte, gerade deshalb aber offene und freie Zukunft zu gehen, das ist das Leben. Niemand, weder Menschen noch Götter können das Leben und die Zukunft sicher vorhersagen oder gar festlegen, sie bleiben immer offen. Doch muss ein jedes Wesen es stets aufs Neue wagen zu leben.

Auch wenn die Aussage: 'der Weg ist das Ziel' so erbärmlich mißbraucht wurde, bleibt sie dennoch richtig. Den Weg, den jeder für sich beschreitet, das ist sein eigenes Leben. Den Tod als Ziel anzunehmen, ist sicher gewagt; trotzdem dieser ja als einzige Gewissheit über unserem Leben thront und vordergründig das Leben beendet. Ob wir nun aber an dieser Tatsache verzweifeln und nicht mehr weiter gehen, oder ob wir dessen ungeachtet furchtlos hindurchgehen, das macht einen fundamentalen Unterschied.
Es geht niemand stets nur alleine durch das Leben. Am Anfang werden wir getragen, solange, bis wir uns auf den eigenen Beinen fortbewegen können. Auch brauchen wir zunächst Vorbilder; später dann eher Gegenüber, um uns auseinander zu setzen; manchmal vielleicht auch Ratgeber. Können wir gemeinsam mit anderen ein schönes Stück des Weges gehen, so beflügelt uns das meist und wir gehen leicht und fröhlich. Mancher Gang fällt uns aber schwer und wir sind froh, wenn wir ihn nicht alleine gehen müssen. Denn obwohl ein jeder stets selber gehen muss, sind wir nicht nur auf einsamen Pfaden unterwegs, sondern dürfen darauf zählen, manchen Weg gemeinsam gehen zu können. Wir Menschen werden im Grunde ja erst zu solchen, durch die Gegenwart anderer.
Sind es aber zu viele, die den gleichen Weg zu beschreiten trachten, so hört dieser auf unser eigener sein zu können. Sind all die Erfahrungen, die wir auf unserem Weg machen können sozusagen aus zweiter oder dritter Hand, so sehen wir uns betrogen. Ein einzelner Mensch gar inmitten einer Masse, hört auf ein solcher zu sein.

Gehen also, ganz konkret Schritt für Schritt auf den den eigenen Füßen, ist grundlegend für unsere geistig-seelische Entwicklung. Was wir vor allem zum Gehen brauchen, ist neben funktionierden Füßen und eigentlich noch wichtiger, das rhythmische Bewegungsmuster in unserem Gehirn. Dies ist nicht etwa: eins, zwei, eins, zwei. Wir gehen mit vier Schritten. Selbige vier Schritte sind eben auch Basis fast aller Musik; für Trommler und Tänzer sowieso.
Gerade das ist in letzter Zeit immer mehr in meinen Focus gerückt: Die Essenz, solche Grundlagen heraus zu arbeiten. Was wir tun, wenn wir Rhythmus und Musik schaffen, ist immer auch Menschen beim Gehen zu unterstützen. Wir haben gelernt, dies immer kunstvoller zu tun, gerade weil es uns in unserer Entwicklung gelungen ist, das Bewegungsmuster der vier Beine zu behalten, trotzdem wir nur zwei Gliedmaßen zum Gehen brauchen und somit die anderen beiden frei zu haben. Dies hat uns so viele neue und ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, dass ich behaupten möchte, dass dieses einen wesentlichen Aspekt der Menschwerdung darstellt. Auch für die Entwicklung unseres Gehirns, der Sprache wie des Denkens war dieses Bewegungsmuster und der daraus resultieren neuen Möglichkeiten mit Sicherheit ein nicht unwesentlicher Faktor.
Für diese, unsere Entwicklung zum Menschen ist auch durchaus wesentlich gewesen, die Vielfalt rhythmischer Gestaltungsweisen nutzbar zu haben, die uns die freien Hände ermöglichten. Dazu kommt noch die Stimme, die wir ebenso miteinbeziehen konnten; dies alles sehr variabel und ohne die Grundlage der Schritte verlassen zu müssen. Für mich stellt es sich, vielleicht ein wenig überschwänglich, so ähnlich dar, als wenn dadurch sich ein neuer Erdteil eröffnet, der besiedelt werden konnte.

Aber obwohl wir als Trommler und Tänzer, als Musiker nicht so vermessen sind, zu behaupten, das alles erfunden zu haben, oder gar ein Urheberrecht darauf zu beanspruchen, so sind wir dennoch diejenigen, die sich weiterhin damit beschäftigen, es entwickeln und  die gewonnenen Erfahrungen weitertragen. Wir betreiben somit auch grundlegende Wissenschaft, die aber eben nicht nur verstandesmäßig erfassbar ist, sondern vor allem über die Gefühle und deren Bewegungen wirkt. Das aber ermöglicht vielen Menschen einen Zugang, deren Sache der geschliffene Gebrauch des Verstandes eher nicht ist. Und ohne irgendwie geartete Überheblichkeit darf ich darauf verweisen, dass es dabei in keinster Weise um Abgrenzung und Bewertung geht, sondern darum, Verbundenheit herzustellen. Diese ist eine unserer vornehmsten Aufgaben als Musiker.

Es ergeben sich aber heutzutage in der Situation, in der wir uns als Kunstschaffende befinden, noch viele weitere Fragestellungen. Als ein Beispiel dafür, möchte ich auf folgendes hinweisen. Ein wesentliches Problem ist die der Größenordnung des Kreises von Menschen, den wir mit unserer Kunst erreichen können und wollen. Zu diesem Zeitpunkt (von einen Zeitalter will ich nicht sprechen), an dem die Massenmedien die gesamte Kommunikation für sich beanspruchen und danach trachten, diese einzunehmen, ist die Versuchung natürlich groß, um des eigenen Erfolges willen, diese Möglichkeiten zu nutzen. Doch wir müssen uns fragen, welchen Erfolg wir damit erreichen. Was können wir den Menschen damit geben oder erreichen wir lediglich mehr Glanz für unsere eigene Person?
Betrachtet man das Wirken der Medien, so kann man ja eigentlich nicht anders, als zu sagen, dass diese vor allem ständig die Aufmerksamkeit der Menschen von sich selber ablenken, sie sozusagen davon abhalten, den eigenen Weg zu gehen. Die Aufmerksamkeit wird zu weit entfernten Dingen hingelenkt, die Wahrnehmung davon regelrecht gefangen genommen und von einem selber weg, auf Dinge hin gerichtet, die mit einem selber eigentlich doch gar nichts zu tun haben. Und das geschieht nicht nur mit Einzelnen, sondern wirklich in der großen Masse. Weil das in der Regel von den Machern noch nicht mal in sonderlich böser Absicht geschieht, sondern diese es, berauscht von der technischen Machbarkeit, gepaart meist mit völlig übersteigerter Einschätzung der Wichtigkeit, sowohl des Inhalts als auch der eigenen Person, hauptsächlich des Profites wegen tun, so ist das alles milde gesagt, sehr fragwürdig.

Als Trommler, der sich mit westafrikanischer Musik beschäftigt, habe ich ein leuchtendes Gegenbeispiel vor Augen. Die musikalische Praxis ist dort in weiten Teilen davon geprägt, dass sie begrenzt auf einen, meist nicht überaus großen Kreis der Hörbarkeit stattfindet. Somit ist sie frei von jeder Manipulation ganzheitlich sinnlich wahrnehmbar. Die dabei Anwesenden sind, in verschiedenen Aufgaben zwar, immer ausnahmslos beteiligt. Es gibt keine Trennung von Ausführenden und Publikum. Die Musik spiegelt stets durch den besonderen Anlass, zu dem sie veranstaltet wird, ein soziales Geschehen wider, bei dem, vergleichsweise vielen einzelnen Menschen die Möglichkeit geboten wird, sich unter der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung der Anwesenden, auszudrücken und darzustellen.
Ich habe diese Dinge zusammen mit den ganzen Rhythmen, Tänzen und Liedern als dazugehörig gelernt, sozusagen als Begleitmusik dazu. Meist sind solche Anlässe für die jeweils im Mittelpunkt stehenden Menschen so etwas wie Wegmarken auf ihren Lebensweg und sollen den Menschen dabei unterstützen, weiter zu gehen.
Ich kann all solche Erfahrungen und Erkenntnisse nicht einfach ignorieren und mich lediglich auf die, zweifellos interessante, musikalische Formgebung konzentrieren. All das soziale Geschehen ist so wesentlich in dieser Musik, die ich mir ja schon lange zu eigen gemacht habe, so dass ich immer nachdrücklich darauf hinweisen will. Dabei ist klar, dass wir die afrikanischen Formen der, ich sag jetzt mal vereinfachend Musikgestaltung, mit all den angeführten Aspekten nicht einfach nur übernehmen können. Aber sich davon anregen zu lassen, über die eigene Gestaltung nachzudenken, ist doch das Mindeste.

Ich kann auch nicht einfach hinnehmen, unsere Wahrnehmung immer mehr eingenommen zu sehen, von nicht die Menschen unterstützenden Belanglosigkeiten und von eitlen Selbstdarstellungpossen, irgendwie an die Macht gekommener Größenwahnsinnigen. Denn als solches sehe ich die von mir bildhaft genommenen Mauern des baylonischen Turms, in dem wir mehr und mehr eingesperrt werden - unsere hingelenkte, eingefangene Wahrnehmung. Und das schlimmste daran ist, dass wir es selber sind, die dieses tun oder es zumindest zulassen.
Doch diese Mauern sind zu durchbrechen, indem wir unsere Wahrnehmung dorthin richten, wo sie hingehört - zu uns selber und unseren Mitmenschen um uns, indem wir unbeeindruckt dessen, unsere eigenen Wege gehen.

 

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Hans ‘Rabe’ Freundshuber

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